Högis Dungeon

Und jetzt erst recht!

Voltcraft DSO-3062 Freeze reparieren

Mitte 2012 erwarb ich das damals beim Conrad als Jubiläums-Angebot gepriesene Speicheroszilloskop Voltcraft DSO-3062.

S1140002Seither hat es mich einiges an Nerven gekostet, kein Wunder bei dem Preis. Zuerst hatte ich nur 2-3 Wochen nach dem Kauf und erstem Einsatz das Problem, dass es nicht mehr starten wollte, lediglich blauer Schirm nach dem Einschalten. Also zurück zum Conrad damit; haben es wenigstens anstandslos zurückgenommen, eingeschickt (welch Überraschung, sonst hatte dieser Saftladen ja noch immer was zu meckern wenn es um einen Umtausch ging…) und mir das selbe Modell sogleich als Ersatz ausgehändigt.

Billiger Lüfter

Der Spaß währte nicht lange, was mir von Anfang an negativ auffiel war der für seine Größe unglaublich lärmende Lüfter, welcher auf der rechten Seite verbaut ist. Einmal Umtauschen war für mich nervenaufreibend genug, also das blöde Ding aufgeschraubt und selbst Hand angelegt :wink:

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Stellte sich heraus, dass das ab Werk verbaute No-Name-Teil gleich mal seine eigenen Lager zer-vibriert hatte, wie auch immer so was möglich ist :slim: Lüfter getauscht gegen einen SUNON und gleich einen TS7809 mit in Serie geschaltet als missbrauchter Drehzahlbegrenzer :smile: Droppt die Versorgungsspannung von 12 Volt auf 9:

IMAG0261Wer es nachbauen will: die Anschlussbelegeung ergibt sich nach einem Blick ins Datenblatt :wink: Das Kühlblech darf in diesem Fall direkt an das Gehäuse geschraubt werden, da beide GND führen. Man könnte jetzt dagegen argumentieren, dass dadurch ein Ground Loop entsteht aber, meh, who cares :tounge: Hier noch eine Nahaufnahme des neuen Lüfters:

IMAG0265Damit wäre die Ruhe wieder sichergestellt. Doch dabei sollte es nicht bleiben.

Kompletter Lock-Up

Vor ein paar Wochen beschloss schließlich auch die Firmware, dass es lustig wäre, den Dienst einzustellen. Nach dem Einschalten und Boot in das Haupt-GUI herrschte erst mal Stillstand. Eingefroren. Komplett. Keine Button-Kombination, kein Trick, es wieder zur Kooperation zu überreden. Mist. Da ich schon durch den Lüfter-Hack die Garantie mit Füßen getreten hatte, konnte ich auch gleich einen Schritt weiter gehen und versuchen, das Ding selbst wieder in Gang zu bekommen. Zum Glück hat das Gerät mehrere durch die Community dokumentierte Schnittstellen, welche man durch etwas Geschick und kleines Geld (sofern man über das entsprechende Equipment nicht bereits verfügt) anzapfen kann. Ich entschied mich für die UART-Variante; noch schnell bei Reichelt das passende Adapterkabel bestellt und gewartet. Wozu das? Mit dem UART-auf-USB-Adapter gelangt man unter Anzapfung der richtigen Anschlüsse auf der DSO-Platine in eine Root-Shell auf dem Gerät, dessen Firmware auf einer Linux-Variante basiert. Die Bauanleitung ist hier sehr gut bebildert. Mit Freude habe ich festgestellt, dass man nicht mal zum Lötkolben greifen muss; die Pads/Vias sind beidseitig leitend, so kann man temporär einfach 3 Drähte mit ca. 1 mm blank an einem Ende hineinstecken und mit etwas Klebeband fixieren. Welche Schritte für die elektrische Verbindung nötig ist wird hier ausführlich erklärt. Wenn der Spaß mit der UART-Verbindung klappt, sind nur wenige Befehle nötig um das DSO wieder zum Leben erwecken zu können. Ich habe meinen Versuch schnell als kurzes mit Camtasia erstelltes Video hochgeladen:

Ein paar Details am Rande…

Ja, ich habe mein Modell erfolgreich auf 200 MHz Bandbreite gehackt  :cool:  Die USB-Variante unter Linux mit dem beschriebenen Python-Skript hat problemlos funktioniert; wenn man es schon offen und eine UART-Verbindung hat ist diese Variante natürlich vorzuziehen 

Das Klavierstück, welches im Video die Stille überbrücken soll (ich habe übrigens sog. Anmerkungen eingefügt, wer sie lesen möchte muss diese in YouTube aktivieren) ist eine MIDI-Variation des Pop-Songs Radioactive von Imagine Dragons, gespielt auf einer Gravis Ultrasound Classic von 1993. Selbst erstellt versteht sich :lol:

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