Högis Dungeon

Und jetzt erst recht!

Philips N4511 – Flip-Flop Platine reparieren

Im Jänner dieses Jahres wurde ich überraschend stolzer Besitzer einer wirklich sehr gut erhalten gebliebenen Philips N4511 Tonbandmaschine. Der Vorbesitzer wollte sie schon den ewigen Jagdgründen des Elektroschrotts anvertrauen, was ich glücklicherweise verhindern konnte :smile:

Neben der altersbedingten Riemenpest (Philips’ damalige Gummi-Mischung neigte dazu, sich nach 20-30 Jahren in Pech-ähnlichen Matsch zu verwandeln, der das komplette Innenleben versaut) wollten die Bedienelemente auch nicht mehr so recht das tun wofür die vorgesehen waren. Der Zustand der für die damalige Zeit recht fortschrittlichen Taster für Rewind, Fast Forward, Play, Pause und Stop wurde durch nachgeschaltete Flip-Flop Platinen elektronisch gespeichert. Zusätzlich wurde die Kombination Rec+Play – also die laufende Aufnahme – durch ein Relais kombiniert geschaltet. Dies ermöglichte eine simple, jedoch sehr effektive Trennung der Aufnahme- und Wiedergabe-Elektronik. Mittlerweile haben die verbauten Elektronik-Teile – vor allem die Transistoren – ganze 40 Jahre auf dem Buckel, verständlich also, dass sich trotz der damals hohen Qualität gewisse langsam aber sicher verabschieden.


Die originale Flip-Flop Platine mit Germanium-Transistoren in der Mitte

Dies führt dazu, dass – je nachdem welche Platine aufgegeben hat – gewisse Tasten hängen oder gar nicht mehr reagieren. Doch die ewige Ruhe gönne ich diesen wundervollen Geräten nicht, solange sie sich in meinem Besitz befinden :wink: Also auf, das Gehäuse und Griff zum Lötkolben!


40 Jahre lang gedient, nun ruhen sie in Frieden: die BC547s

Bei der ersten Platine hatte ich noch Glück, es hatte sich lediglich einer der Silizium-Transistoren BC547 verabschiedet, also prompt alle 3 mit dem aktuellen Äquivalent C547B ersetzt, welche ich noch Haufenweise auf Lager habe.


Der allseits bekannte und beliebte  C547B für Kleinspannungen

Nach einer Reinigung mit Alkohol und Behandlung mit etwas Kontakt-Spray zurück damit ins Gehäuse und voller Spannung den Netzschalter betätigt. Klickediklack, die Elektromagneten schalten wieder im korrekten Zusammenspiel mit den Tastern, eine Freude :smile:

Exakt 3 Monate später kam dann allerdings eine neue unangenehme Überraschung: selbiges Verhalten aufs Neue und gleich mal ein paar Zentimeter Band gefressen :sad: Also Griff zum Schraubendreher und wieder mal den Lötkolben angeheizt. Da sich die getauschten Transistoren unter der gegebenen Spannung eher langweilen dürften, konnte ich deren Versagen erst mal optimistisch ausschließen. Doch was dann? Widerstand im Eimer? Eher unwahrscheinlich, die Kohleschichtwiderstände geben nicht so schnell auf. Doch Moment, wir haben noch andere Störenfriede auf der kleinen Platine: den AC128 Germanium-Transistor.


Der nicht gerade beliebte, ausgestorbene AC128 Germanium-Transistor

Sehen ja direkt protzig aus im Vergleich zu den Silizium-Teilen. Der rote Punkt markiert übrigens den Kollektor-Anschluss, den man sonst aufgrund der durchgehend runden Bauform nicht wiederfinden würde. So, womit diese Dinger tauschen? Alten Militärbestand ausrauben? Habe keinen in unmittelbarer Nähe, also diesen Plan verworfen. Doch Flinte ins Korn werfen kommt nicht in Frage, erst mal das Datenblatt studiert und die Wertbereiche mit Teilen aus meinem Lager verglichen. Aus Germanium sind lediglich noch ein paar Dioden in meinem Bestand, doch das hilft natürlich nicht wirklich. Doch halt, was liegt denn da noch herum? Eine Palette C556B, Silizium, NPN-dotiert und nahezu identische Werte, hossa!


NPN-Transistor für Kleinspannungen: der C556B

Defekter als kaputt kann die Platine nicht werden, also den Versuch gewagt und willkürlich den ersten ersetzt. Platine gereinigt, wieder eingesetzt und Gerät angeworfen. Und wie es der Zufall so will: es funktioniert wieder! Damit ich nicht im nächsten Quartal des Jahres wieder alles zerlegen muss habe ich gleich mal prophylaktisch die anderen beiden getauscht :!: Erfolg :grin:


Die alte Platine neu bestückt, kann wieder in Betrieb gehen

Wunderbar, als nächstes kommt das Zählwerk dran, dann werde ich versuchen, den Verursacher des Pegelabfalls am linken Kanals ausfindig zu machen. Doch alles zu seiner Zeit :smile:

Update 03.2013: der AC128 und C556B sind natürlich PNP-dotiert! Außerdem hat sich nach längerem Betrieb gezeigt, dass die C556B ziemlich heiß werden und wieder zu versagen drohen. Ich habe deshalb alle 6 Stück im Nachhinein mit BC327 getauscht, welche genügend Dauerstrom standhalten!